Ein E-Mail-Interview zum Thema Aquaponik

Vor wenigen Wochen wurde ich über diesen Blog gefragt, ob ich an einem Interview per E-Mail teilnehmen möchte. Hintergrund war die Projektarbeit „Aquaponik für den Stadtbewohner“ im Seminar „Städtische Landwirtschaft für eine zukunftsfähige Stadt“, im Rahmen des Leuphana-Semesters an der Universität Lüneburg.

Ich habe gerne zugesagt und beim Durcharbeiten der Fragen hat mir deren Zusammenstellung und Qualität gut gefallen. Diese decken schon einen großen Bereich an Grundlagen für die Aquaponik ab. Das brachte mich auf die die Idee, das Interview auch als Blogartikel zu posten, womit meine Befrager dann auch einverstanden waren, was mich wiederum freute. Hier also nun The Complete Interview (das ich beim verbloggen aber noch etwas von Fehlern befreit habe):

1. Wie kamen sie mit Aquaponik in Kontakt und was hat Sie motiviert selber so eine Anlage anzuschaffen?

Die Aquaponik habe ich im Jahr 2009 kennen gelernt, nachdem ich mit der Aquaristik in eine Sinnkrise geraten war. Nach vielen Jahren Erfahrung mit Korallenriffaquarien zunächst mit Steinkorallen, Doktor- und Anemonenfischen, dann Seepferdchen, Seenadeln und Filtrierer und eigener Lebendfutterzucht, störte mich der massive Material- und Energieeinsatz für ein System, dass lediglich der Beobachtung der Tiere (und Pflanzen) und ansonsten allenfalls der Verbesserung des Wohnraumklimas diente.

Bei der Recherche zum Thema Aquakultur habe ich via Internet die Aquaponik gefunden und wollte sofort von der Aquaristik zur Aquaponik wechseln. Mir war schnell klar, dass Aquaponik ein „Problemlöser“ sein kann, was die Produktion von Lebensmitteln anbetrifft, was mein Interesse noch stärker weckte, als die reine Forschungsdrang den ich von der Aquaristik kannte.

2. Was braucht es grundsätzlich um sich selber eine Aquaponik-Anlage aufzubauen? Welche technischen Bestandteile sind unverzichtbar?  Gibt es bestimmte Mindestgrößen wie z.B. beim Pflanzenbecken oder Fischtank?

Aquaponik ist in nahezu jeder Ausprägung denkbar, egal ob massiv aus Stein, Beton, Holz, selbst faltbare Modelle aus Leichtmetall u. Folien sind denkbar. Oder als Erweiterungsmodule für klassische Aquarien, Aufsatz-Module für ehemalige Swimming Pools, etc. Es ist schwer eine Mindestgröße zu definieren, es gibt in den USA bereits Aquaponik-Tischmodelle (Microponics). Allerdings haben kleine Systeme folgenden Nachteil. Je kleiner das System, desto weniger Stabilität besteht, um Schwankungen der Umwelt abzufangen. In der Seewasseraquaristik gelten sog. „Nanobecken“ als problematischer im Betrieb als große Becken. Für das Ökosystem gilt hier: Je größer desto stabiler. Natürlich sind auch die Erträge der kleinen Systeme eher symbolischer Natur.

Für Fisch- und Pflanzenbehälter sind nahezu alle Bauarten denkbar, die stabil sind, wasserdicht und die keine Stoffe an das Wasser abgeben. In Deutschland sollte das Wasser nach Möglichkeit beheizbar sein. Um es dauerhaft mit Sauerstoff zu versorgen, ist eine Luftpumpe mit Schlauch und Ausströmer notwendig. Um das Wasser zu den Pflanzbeeten zu befördern braucht man Tauchpumpen und ein Rohrleitungssystem. Damit das Pflanzbeet nicht überläuft ist ein Siphon oder eine andere Einrichtung zur Regulierung des Pegels notwendig. Schließlich auch genügend Substrat für Bakterien, denn ihre Rolle ist genau so wichtig, wie die der Fische und Pflanzen im Nährstoffkreislauf. Am Ende fehlt nur noch Schutz gegen Kälte, Regen, Wind oder auch Vogelkot.

3. In diesem Zusammenhang, wie viel Geld müsste man ungefähr für ein eigenes Aquaponik-System investieren – etwa eins in der Größe für ein kleines Gewächshaus? Wie hoch fallen in etwa später die laufenden Kosten aus?

Der Kaufpreis für die Teile, aus der ich meine Anlage gebaut habe, liegt noch unter 1.000,- insgesamt. IBC-Tank (ca 40,-), Holz für Growbeds (ca. 250,-) u. Teichfolie (ca. 100,-), Gewächshaus (mit Sockel ca. 150,-), Pumpen (ca. 50,-), Rohre (PVC, Muffen, etc. ca. 150,-), Schaltuhren, Leitungen, (ca. 30,-) Kies (ca. 110,-), Setzlinge, etc. (ca. 50,-) schlugen insgesamt mit etwa 930,- Euro zu Buche, wobei ich fairerweise hinzufügen muss, dass ich noch viele Aquaristik-Artikel hatte, wie z.B. Membranpumpen, Schlauchmaterial, Heizung*, etc. die man jedoch für ca. 150,- Euro im Aquaristikhandel bekommt.

*Nachträgliche Korrektur: Meine Wisa-Pumpe hat alleine 250,- gekostet, die Schego-Heizung war auch nicht billiger deshalb landet man am Ende wahrscheinlich doch bei 1.500,- (mit Kabelbindern). Aber hier würde ich auch auf Qualität setzen, da sich Störfälle eben sehr drastisch auswirken können.

Die laufenden Kosten lassen sich mit etwas Geschick im Rahmen halten. Wenn man nicht – wie ich – das Wasser mit Elektrizität beheizt, was aber leicht zu vermeiden ist (s.u.), bleibt der Strom für Pumpen und Ausströmer übersichtlich. im Gegensatz zur Heizung kommt man hier bei einer kleinen Anlage auf eine (sparsame) Leistungsaufnahme von 200 Watt oder 0,2kW/h.

4. Wie wird das Problem mit der Beheizung gelöst? Gerade in Deutschland sind kältere Jahreszeiten nicht unüblich und könnten besonders für die Fische problematisch werden.

Meine bisherige Anlage habe ich mit einem 300 Watt-Heizstab beheizt, was sehr unwirtschaftlich war. Eigentlich wollte ich mir längst ein Solarthermie-Modul selbst bauen, als eine einfache Schlange aus Kupferrohr wärmeleitend mit Blech befestigt auf einem schwarzen Brett in einem Gehäuse mit Polycarbonat-Wellprofil-Dach. Die erzeugte Wärme würde in einen Pufferspeicher befördert und über einen Wärmetauscher an das Wasser in der Anlage abgegeben. Ich habe mich selbst davon überzeugen können, dass Solarthermie-Lo Tech eine kleine Anlage bis in den November hinein auf 25 Grad halten kann. Wenn die Anlage den ganzen Winter über laufen soll, ist ein ausgereiftes Energiekonzept gefragt. Neben der Isolation der Gewächshausflächen kann aber auch hier komplett auf regenerative Energien gebaut werden. Aufgrund der großen thermischen Masse des Wassers in den Fischtanks bietet Solarthermie hier viele Optionen. Allerdings bietet sich im größeren Rahmen auch Kraft-Wärme-Kopplung an. Als Nebenprodukt der Aquaponik fällt Biomasse in Form von Grünschnitt und Klärschlamm an. Dies sind optimale Zutaten für eine Verwertung durch Biogasanlage und Blockheizkraftwerk. Damit hat die Aquaponikanlage sogar das Zeug zum Kleinkraftwerk.

5. Häufig wird der Tilapia-Fisch als idealer Fisch für Aquaponik genannt. Warum gerade der Tilapia-Fisch? Gibt es auch Alternativen? Wie viele Fische sollte man grundsätzlich sich für den Fischtank besorgen?

Tilapia wachsen relativ schnell und sind extrem genügsam. Ich hatte bisher noch nie einen echten Krankheitsfall. Ferner sind sie freundlich gegenüber ihren Artgenossen. Sie sind gute Futterverwerter, lassen sich komplett vegetarisch ernähren und schmecken als Speisefisch sehr gut. Ferner sind sie gehaltvoll und gesund und erfüllen damit schon mal einige der vielen Anforderungen. Allerdings gibt es auch viele Alternativen. Ich sehe für Deutschland einer Renaissance des Karpfens entgegen, weil dieser durch die Haltung in Aquaponiksystemen auch geschmacklich gewinnt. Hier sind alle möglichen Fische denkbar, wie z.B. Wels oder auch Zander, sofern den Kulturfischen das richtige Futter zur Verfügung steht. Wirbellose im Süßwasser wie z.B. Edelkrebse sind ebenfalls hochinteressant.

6. Ist das Halten von Fischen in den Fischtanks bei Aquaponik überhaupt artgerecht? Gibt es zwecks des Kreislaufes da überhaupt einen gewissen Spielraum?

Der Fischbestand in einer Aquaponikanlage muss nicht zwangsläufig hoch sein um genügend Nährstoffe für die Pflanzenkultur zu produzieren. Zwar wurde bewiesen, dass Aquaponik auch bei sehr hohem Fischbesatz stabil funktionieren kann, aber letztlich ist es nur eine Frage der Kombination aus Fisch- und Pflanzenkultur. Wenn weniger Fische im System sind, lassen sich auch Schwachzehrer, wie z.B. Salat einsetzen, die weniger Nährstoffe benötigen.

Natürlich habe ich mir auch darüber Gedanken gemacht, ob die Haltung von Fischen in Fischtanks dem Begriff „artgerechte Tierhaltung“ gerecht wird. Aus meiner Erfahrung ist der Standard im Fischtank vergleichbar mit dem in Aquarien. Je nach Fischart kann in Fischtanks z.B. auch eine dünne Schicht Kies auf dem Grund realisiert werden. Am Verhalten der Fische ist leicht erkennbar in welcher Verfassung sie sind.

7. Sie haben bei Ihrer Anlage verschiedene Gemüsesorten angebaut wie Paprika, Ingwer, Chili etc. Ist so ziemlich alles an Gemüse gut für Aquaponik geeignet? Eignet sich bestimmtes Gemüse ganz besonders dafür? Was wäre für kleinere Anlagen zu empfehlen?

Zunächst sind alle möglichen Gemüsesorten denkbar, außer solchen Pflanzen, wie etwa Leguminosen, also Hülsenfrüchtler, die ihren eigenen Stoffwechsel mit stickstofffixierenden Symbiose-Bakterien mitbringen. Eine reine Schutzmaßnahme für meine Bakterienkultur. Ich würde das aber gerne mal z.B. mit Erbsen testen. Ansonsten wächst an Gemüse aus meiner Erfahrung nahezu alles. Auch Pflanzen, die Knollen bilden, die in den Kies hinein wachsen, wie Karotten oder Ingwer, auch sie gedeihen in der Aquaponik bestens.

In kleineren Anlagen für Selbstversorger, bietet es sich an, neben wechselnden Hauptkulturen, die über das Jahr verteilt wachsen (wie z.B. zunächst Radieschen, dann Kohlrabi, dazwischen schon Tomaten, Paprika u. andere größere Pflanzen) in einem kleinen Abschnitt permanent Kulturen zu betreiben, wie z.B. Kräuter und Salat, Ingwer, Zitrusgras.

8. Wie handhaben Sie die Bewässerung der Pflanzen? Wie oft am Tag wird bzw. sollte das Wasser durch den Kreislauf umgewälzt werden?

Zwischen 8:00 und 23:00 Uhr wird jede halbe Stunde abwechselnd ein Pflanzbeet mit Wasser gefüllt, das anschließend wieder leer läuft. D.h. jedes Pflanzbeet läuft einmal pro Stunde voll und wieder leer. Die Wurzeln der Pflanzen werden damit tagsüber gleichbleibend benetzt und neben nährstoffreichem Wasser intensiv mit Sauerstoff versorgt. In meinem System wird zwar alle 2 Stunden das komplette Volumen an Wasser umgewälzt aber dies soll auf keinen Fall ein Richtwert sein. Wichtig sollte eher folgende Frage sein: Wie viele Fisch/Wasservolumen steht a) wie viel bzw. welchen Pflanzenkulturen und b) wie viel Bakterien-Besiedelungsfläche gegenüber und wie viele Nährstoffe zehren die Fische und Pflanzen?

9. Sie selber haben bei Ihrer Anlage Kies für das Pflanzenbecken verwendet. Uns sind auch andere Systeme wie „Floating Raft“ oder die Nährstofffilmtechnik (NFT) bekannt. Wieso haben Sie sich für dieses Kiesbett-System entschieden?

Grundsätzlich sind mir alle drei Verfahren, Growbed, Raft und NFT sehr recht. Ich habe Growbed als Kies-Pflanzenbecken umgesetzt, weil es am vielseitigsten ist was die Pflanzen anbetrifft. Raft bietet sich an für Blattgemüse, mit einfacher Auflage. Im Kies funktioniert die natürliche Statik der Pflanzen weiterhin, so dass darin auch größere Pflanzen wachsen können, aber diese wachsen geführt auch gut als NFT-Kultur. Ich werde vermutlich in Zukunft selbst alle drei Anbaumethoden je nach Pflanzenart verwenden, daher will ich hier auch keine Methode bevorzugen.

10. Denken Sie, dass Aquaponik ein rentables System ist? Kann es sich überhaupt im kleinen Umfang für „Hobbygärtner“ rentieren? In welchen Ausmaßen würde sich Aquaponik rentieren?

Was den Vergleich Ertrag pro Netto-Anbaufläche anbetrifft, so überbietet Aquaponik den Ertrag eines Schrebergartens. Im Gegensatz zur Freilandkultur, die häufig unter den wechselnden Wetterbedingungen leidet, liegen die Erträge in der Aquaponik deutlich höher, besonders wenn es sich um eine warme Anlage handelt. Für handwerklich geschickte Menschen ist die Investition nicht hoch. Vielfach kommt man mit den üblichen Baustoffen zurecht, Pumpen, Rohrleitungen, Ausströmer, etc. bekommt man im Aquaristikbedarf. Wobei ich hier aber fairerweise (und leider) auch sagen muss, dass gewisse handwerkliche Fertigkeiten Voraussetzung sein sollte. Wer heute eine Aquaponikanlage baut, muss vieles „From Scratch“ bauen. Es gibt das Bell-Siphon im Baumarkt eben – noch – nicht. Menschen, die z.B. Probleme haben Fertigregale oder Schreibtische großer Möbelherstellern mit den beiliegenden Mitteln zu montieren, werden bei dem Selbstbau einer Aquaponikanlage möglicherweise überfordert sein. Wichtig wäre auch ein „grüner Daumen“ oder wie auch immer man die Fähigkeit nennen mag, unsere Natur zu antizipieren und ihr das zu geben, was Sie braucht. Aber insbesondere das Thema Siphon ist dann auch noch recht anspruchsvoll. Bevor sich hier aber noch viele Marktlücken schließen, müssen wir uns einstweilen gegenseitig mit guten Bauanleitungen & Tat helfen, um die Planung von Anlagen zu erleichtern.

In einem größeren Rahmen würde sich Aquaponik umso mehr rentieren, was die Wirtschaftlichkeit anbetrifft. Anlagen mit Sensorik erlauben einen hohen Grad an Automation, es fällt weniger Arbeit an als bei der klassischen Erdkultur, das macht jeden Arbeitsgang schneller auf weniger Raum. Hier gibt es neben hohen Erträgen bei minimaler Umweltbelastung auch ein hohes Sparpotenzial. Aquaponik ist zudem in jeder Richtung erweiterbar. Es fällt kein Abfall an, sondern wertvolle Nährstoffe. Neben Fisch u. Gemüse auch Grünschnitt und Klärschlamm und Bakterien, die sogar sehr gefragt sind. Aus diesen Nebenerzeugnissen kann Energie gewonnen oder es können damit weitere Modelle angeschlossen sein, wie etwa Wurmkultur oder Humusproduktion.

11. Was für ein Aufwand muss für Aquaponik betrieben werden? Wie schaut die regelmäßge Wartung aus?

Die Fische bekommen dreimal täglich Futter, verbunden mit einer Sichtkontrolle in der ganzen Anlage. Dies sind aber am Tag allenfalls 15 Minuten.

Alle ein bis zwei Wochen Wasser nachfüllen, abgefallene Blätter aus den Pflanzbeeten sammeln, Siphons kontrollieren/reinigen ca. 1/2 Stunde.

Im Wuchs wird alle paar Tage auch mal eine Pflanze zurecht geschnitten, an einer Rankhilfe befestigt oder es werden Nützlinge ausgebracht, jedoch auch nur max. 1/2 Stunde.

Ernte in Tischhöhe bei einer sauberen Kultur, nochmals 1/2 Stunde.

12. Mit was für Problemen (technisch, biologisch etc.) müsste man bei Aquaponik rechnen?

Da man den kompletten Kreislauf abbildet und sich weitgehend von der Natur abkoppelt müssen z.B. alle notwendigen Nährstoffe auch ins System eingebracht werden. Hier ist die Zusammensetzung des Fischfutters wichtig und eine gewissen Sensibilität gegenüber Anzeichen von Nährstoffmangel bei Pflanzen. Beim Betrieb im Gewächshaus muss eine gute Belüftung sichergestellt werden, um eine Überhitzung zu vermeiden und Pilzbefall zu verhindern. Was passiert bei Stromausfall? Leer gefallene Pflanzbecken bieten bereits nach wenigen Stunden zu wenig Wasser für die Pflanzen und das Wasser im Fischtank wird nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Insbesondere hier kann eine eigene Stromproduktion und -versorgung eine nahezu schicksalhafte Rolle zukommen. Im Notfall lässt sich eine kleine Anlage aber auch eine Zeit lang „mit dem Eimer“ betreiben. Voraussetzung ist aber, dass man von der Störungen möglichst früh erfährt, womit wir aber wieder bei der Sensorik wären…

13. Warum sollte ein Haushalt generell sich Aquaponik zulegen?

Wer man Spaß am Nutzgarten hat und neugierig ist, den könnte auch Aquaponik interessieren. Für Selbstversorger und Hobbygärtner ist der Fisch eine willkommene Dreingabe zum bisherigen Garten, der Ertrag ist besser als bisher und es macht weniger Arbeit. Aquaponik könnte ferner auch in Schulen betrieben werden, da sie den Stickstoffkreislauf und die Nahrungskette sehr gut veranschaulicht.

14. Ist Aquaponik noch ein Trend bzw. eine Art Luxus? Wie schätzen Sie das langfristige Entwicklungspotential von Aquaponik ein? Sowohl im kleineren Stil für Haushalte, als auch im größeren im Rahmen von „Urban Farming“.

Ich erwarte sowohl für Hauhalte und Kleingärtner als auch im Rahmen von Großanlagen ein starkes Wachstum. Zwar sind wir noch ganz am Anfang, weil uns bislang noch ausreichend Brennstoffe zur Verfügung stehen, um Produkte wie Gemüse gobal zu handeln und dabei dennoch den Preis lokaler Produkte zu unterbieten, aber mit Aquaponik lässt sich nachhaltiger und am Ende eben auch preiswert produzieren. Positiv dabei ist, dass die Aquaponik ganz ohne künstliche Zusatzstoffe auskommt und als Produkte saubere und gesunde Lebensmittel entstehen.

Problematisch bei „Urban Farming“ sind bisher noch die hohen Investitionskosten für die Bereitstellung von Kulturfläche. Im Gegensatz zu Ackerland muss zunächst ein Gebäude unter hohem Aufwand umgebaut werden, wobei die Anlage selbst einer individuellen (auf das Gebäude zugeschnittenen) Planung bedarf. Aquaponik auf landwirtschaftlichen Flächen, wie etwa in handelsüblichen Gewächshäusern und unter Einsatz von Standard-Aquaponikmodulen, ließe sich hingegen weniger kostenintensiv realisieren.

11 Gedanken zu „Ein E-Mail-Interview zum Thema Aquaponik

    1. Sehr geehrter Dr.Senfberg,

      ich bin Student an der Fh Mainz im Fachbereich Bauingenieurwesen mit dem Schwehrpunkt technisches Gebäudemanagement ( TGM ).

      Zur Zeit befasse ich mich – zwecks Bachelorarbeit – mit dem Thema der urbanen Ahgrarkultur. Dabei möchte ich den Schwehrpunkt auf die Integration von Kreislauftechnologie innerhalb von Gebäuden sowie an bisher ungenutzten, dafür geeigneten Fassadenflächen untersuchen.

      Besonders interessant finde ich daher ihrre letzte Aussage:

      „Problematisch bei “Urban Farming” sind bisher noch die hohen Investitionskosten für die Bereitstellung von Kulturfläche. Im Gegensatz zu Ackerland muss zunächst ein Gebäude unter hohem Aufwand umgebaut werden, wobei die Anlage selbst einer individuellen (auf das Gebäude zugeschnittenen) Planung bedarf.“

      Genau diesen Sachverhalt möchte ich näher untersuchen.
      Wären sie bereit mir Daten zur Verfügung zu stellen bzw. dürfte ich Ihre Ausführungen bzüglich “ Standort Deutschland“ verwenden. Es ist sehr schwehr wissenschaftliche Aquaponikliteratur zu finden, welche sich dann auch noch mit dem Standort Deutschland auseinander setzt.

      Ich wäre des weiteren über wissenschaftliche Literaturhinweise zur Vertiefung des Themas sehr dankbar.

      mit freundlichen Grüßen
      Dimitri Fischer

  1. Hallo Herr Dr. Senfberg,
    sehr beeindruckend Ihr Blog. Ich finde es bewundernswert, dass Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung hier mit uns teilen.

    Wie sieht eigentlich das Verhältnis Fische zu Pflanzen aus. Wie viele Setzlinge Fische passen in einen IBC-Tank und für wie viele m² Pflanzen reichen dann die Nährstoffe aus?

    Vielen Dank und liebe Grüße,
    Claudia

    1. Liebe Claudia,

      Erst mal vielen Dank für das Ihr Lob, es freut mich sehr, wenn ich Leute erreiche, die Interesse an der Aquaponik haben.
      Das Verhältnis von Fischen zu Pflanzen sah bei mir folgendermaßen aus:
      Der (Growbed-)Fläche von lediglich 3qm standen ca. 30 (mittelgroße) Tilapia gegenüber. Aber Sie haben ja nicht nach der Fläche gefragt, sondern konkret nach den Pflanzen.

      Hier nochmals die rekapitulierte Übersicht über die Pflanzen, die bei mir eng gesetzt auf die kleine Fläche passten:

      5 Paprikapflanzen
      2 Tomatenpflanzen
      1 Aubergine
      2 Inwer
      12 Kohlrabi
      ca. 200 Radieschen
      26 Köpfe Salat u. diverse (Blattsalate, Feldsalat)

      Permanent auch Kräuter wie:
      Basilikum
      Oregano
      Pimpinelle
      Petersilie
      Chinagras

      Hierbei muss man allerdings beachten, dass einige Pflanzen hintereinander aufwachsen. Radieschen fangen z.B. früh an und räumen entsprechend früh das Feld.

      Aber die Anzahl der Pflanzen hängt auch stark davon ab, ob die Pflanzen Stark- oder Schwachzehrer sind. Kohl z.B. zieht sehr viele Nährstoffe, während Salat kaum Nährstoffe entnimmt.
      Somit entsteht vergleichsweise mehr Salat bei derselben Menge an Nährstoffen.
      Wir haben uns unter Aquaponikern schon oft gefragt, welche Verhältnismässigkeit denn die wichtige ist. Fisch zu Pflanze zu Wasser, Pflanzengewicht/-masse zu Fischen. Aber am Ende kommt es immer auf dasselbe heraus. Wichtig ist, wie viele Nährstoffe (und welche) ich hinzu gebe. Zur Verarbeitung des Futters müssen genügend Fische vorhanden sein, aber ein Gefühl für die Futtermenge lässt sich erlernen.
      Am Ende pflanzt man munter drauf los und man stellt fest, dass sehr viele Pflanzen von der kleinen Aquakultur satt werden. Wichtig und Problematisch meist für Neulinge ist die Fischhaltung, aber auch das lässt sich lernen und dabei mit verantwortungsvollem Handeln gegenüber den den Fischen kombinieren und das Fisch/Wasser-Verhältnis nicht zu sehr ausreizen, weil auch bei geringerem Besatz reichlich Ernte abfällt.

      Viele Grüße
      Ihr Stephan Senfberg

      1. Sehr geehrte Doktor,

        ich erbitte Ihre Persoenliche Telefonnummer oder E Mail, wir interessieren uns an Aquaponik Anlage.

        mit freundlichen Grüssen
        Natalia Nargan

        auch Prof Weisshaar aus DE interessiert sich auf eine Korrespondenz mit Ihnen im Bezug zu deisem Thema
        weisshaar@1933t-online.de

  2. Hallo Dr. Senfberg,
    nach meinem gescheiterten Aquaponik-Versuch suche ich für meine 9 Tilapien ein neues Heim. Die Tilapien sind ca. 15-20 cm groß, oreochromis niloticus. Ich freue mich auf Ihre Antwort.
    Lg
    Heiko Matamaru

    1. Hallo Heiko,
      wie schade, dass Sie aufhören. Wie kam es dazu?
      Ich werde Sie sogleich kontaktieren.

      Viele Grüße
      Ihr Stephan Senfberg

  3. Hallo Herr Senfberg,

    ich möchte selbst auch eine Aquaponicanlage bauen jedoch wollte ich ersteinmal mit einer kleinen Variante für die Wohnung anfangen. Hierzu wollte ich ein Aquarium kaufen und darüberstehend einige Kräuter anbauen.

    Haben Sie vielleicht einen Tipp für mich in welchem Verhältnis ich das ganze bauen sollte. Insbesondere die Lichtversorgung für Pflanzen und Tiere würde mich interessieren und wie ich das Filtersystem richtig einsetze. Soweit ich das weis pumpe ich das „Fischwasser“ in den Pflanzenteil dort filtert es sich und dann fliesst es als „Frischwasser“ wieder zurück.

    Wir sorge ich für eine gleichmäßige Verteilung der Nähstoffe bei den Pflanzen? Ich befürchte immer das nur eine Seite der Pflanzen etwas abbekommt.

    Ihre mit Kies gefüllte Anlage lässt mich jedch vermute das dies nicht der Fall ist? Was eigenet sich für Kräuter als passender Boden? Kies, Seramies?

    Und wenn ich schon dabei mit Ihnen Löcher in den Bauch zu fragen, wie ziehe ich Kräuter in einem solchen Beet an?

    Ich freue mich von Ihnen zu hören und danke für die Zurverfügungstellung dieser tollen Webseite!

    1. Hallo Marc,

      zunächst danke schön für Kommentar und Lob. Natürlich kann man den Pflanzenteil der Aquaponik auch an ein Aquarium anschließen. Beim Verhältnis spielt die Menge des Wassers nicht unbedingt die wichtigste Rolle, sondern die Menge der Nährstoffe, welche die Fische Produzieren sollte im richtigen Verhältnis zur Substratmenge für die Bakterien stehen und der Menge an Pflanzen, welche die Nährstoffe aufnehmen. Daher kommt es in der Hauptsache auf die Besatzdichte an und auf die Größe der Besatzfische, da hiervon wiederum der „Nährstoff-Output“ steht. Hier gibt es ja die Faustformel „Kilogramm Fisch“, wobei nach dieser Rechnung in meiner Anlage etwa 15kg Fisch (in 700 Litern Wasser) den 3,7qm Growbedfläche (mit 1.400 Litern Substrat) gegenüber stehen. Bei kleineren Größenordnungen, sprich Aquarium mit Zierfischen, darf den „wenigen“ Fischen aus meiner Erfahrung ruhig ein Überangebot an Substrat gegenüber stehen. Sollten die Nährstoffe für Starkzehrer (wie etwa Kohl, Tomaten oder Paprika) nicht ausreichen, so würde ich es Mit Salat und Basilikum versuchen, diese brauchen wesentlich weniger Nährstoffe. Wie groß ist denn das Aquarium?

      Was das Licht anbetrifft, so gibt es ja mittlerweile richtig gute LED-Pflanzenleuchten, aber auch die guten alten Metalldampflampen sind nach wie vor in Gebrauch, wobei man hier aber ein Auge auf den Stromverbrauch haben sollte. Allerdings ist die Problematik Licht im Haus nicht zu unterschätzen, wenn Sie nicht die große Fensterfront zur Verfügung haben, die den Pflanzen ca. 6-8 Stunden Licht beschert, sollten Sie hier schon etwas nachhelfen. Lichtmangel ist meist aber auch erkennbar, an hellen/gelben/dünnen Blättern oder Vergeilung (Pflanzen bilden Stresstriebe aus).

      Genau, das Fischwasser sollte möglichst mehrfach am Tag durch das Substrat mit den Pflanzen laufen, am besten das Growbed läuft komplett voll und wieder leer, damit die Wurzeln mehrfach richtig benetzt werden. Die Wurzeln dürfen weder austrocknen, noch permanent im Wasser stehen, da die Wurzel permanent mit Sauerstoff versorgt werden muss. Hier bietet sich die Siphon-Variante an, da das Wasser hier nicht lange stehen KANN. Filterung ist – wenn überhaupt – nur mechanisch notwendig, da die Nitrifikation und und der Verbrauch des Nitrates über das Pflanzenbeet stattfindet. Mechanisch heisst in dem Fall, dass lediglich Feststoffe filtriert werden, etwa mit einem Schnellfilter, ohne viel Filtersubstrat. Hier ist aber die Frage ob das überhaupt nötig ist, ich bin in meiner Anlage bisher komplett ohne ausgekommen, allerdings habe ich Regenwürmer im Kies gefunden, welche die restlichen Feststoffe nochmals verstoffwechseln.

      Unabhängig davon ob es Kräuter sind, Salat oder Tomaten funktioniert Kies als Substrat sehr gut. Von Seramis oder Blähton habe ich gelesen, dass die Porösität des Stoffes gar nicht komplett ausgenutzt werden kann, da die Kammern zu klein sind und dort kaum Sauerstoff ankommt (da die Strömung nahezu zum Erliegen kommt), so dass die (für Bakterien wirksame) Oberfläche doch nicht so immens groß ist, wie vermutet. Sobald die Strömung zum erliegen kommt, sehe ich persönlich auch die Gefahr anaerober Stoffwechselvorgänge, d.h. es werden Bakterien begünstigt, welche Nitrat veratmen wodurch die Bildung giftiger Schwefelwasserstoffe/Faulgase begünstigt werden könnte. Daher setze ich vorsichtshalber normalen Kies (4-8mm Körnung) ein.

      Sie können die Kräuter, den Salat, Spinat etc. auch direkt im Beet aufziehen, das habe ich auch mit Radieschen und Feldsalat gemacht. D.h. Samen direkt ins Kiesbett streuen. Leicht drüber streichen, damit sie unter die erste Kiesschicht fallen (ca. 1cm tief). Das Volllaufen des Growbeds sollte keine starke Strömung verursachen, damit die Samen Keime bilden können, ohne dass diese abbrechen. Später dann vereinzeln um den Pflanzen Platz zu schaffen. Setzlinge können Sie in Netztöpfe stellen aber auch das ist nicht zwingend notwendig, da man selbst große Paprika od. Tomatenpflanzen gut aus dem Kies bekommt.

      Dann wünsche ich viel Spaß und Erfolg mit der Indoor-Aquaponik-System. Wenn alles steht, wächst und gedeiht, würde ich mich über eine Nachricht freuen. Oder wir stellen Ihre Anlage mal hier im Blog vor?

      Viele Grüße, Ihr Stephan Senfberg

  4. Hallo Herr Senfberg,

    ich beschäftige mich in meiner Masterarbeit in Rostock mit dem Thema Aquaponik. Und habe jetzt mit großem Interesse einige Ihres Beiträge gelesen.
    In meinem Versuch haben wir Gurken & Tomaten mit Tilapien, Karpfen & Welsen aufgezogen. Im Anschluss habe ich jetzt den Nährstoffstatus der Pflanzen untersucht um einen Vergleich zwischen den Fischkulturen zu ziehen & zu sehen welche Nährstoffe im Mangel vorkommen.

    Haben Sie schon Erfahrungen mit Gurkenpflanzen gemacht? Was für Mangelsymptome sind Ihnen eventuell an Ihren Pflanzen aufgefallen? Das würde mich sehr interessieren. In unserem System konnten wir einen beträchtlichen Mangel an Phosphat & Kalium erkennen.

    beste grüße, Luise

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